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Zeitfiguren

Dominik Susteck: Zeitfiguren, Jan Welmers: Sequens

Tobias Aehlig an den Orgeln im Dom zu Paderborn.
Ambiente Audio. ACD-2034.

Dominik Sustecks (*1977) Werk „Zeitfiguren“ für Orgel solo entstand 2014 auf Anregung von Volker Karweg als Auftragskomposition des Erzbistums Paderborn (Kurator: Prof. Dr. Paul Thissen). Domorganist Tobias Aehlig hat beim Label Ambiente eine CD mit dieser Komposition herausgebracht, eingespielt an den Orgeln des Paderborner Doms.

Sustecks Orgelstücke nehmen eine dezidiert moderne Haltung ein, was aber keinesfalls heißt, dass sie nicht auf Traditionen beruhen würden. Der Komponist selbst sieht seine Zeitfiguren im Kontext der christlich-programmatischen Orgelmusik Olivier Messiaens, hebt aber seinen transreligiösen, spirituellen Charakter hervor.

Sustecks Komposition will nicht bewusst mit Traditionen brechen, wie es in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Intention Bengt Hambraeus’, György Ligetis und Mauricio Kagels war, die die ersten avantgardistischen Orgelwerke schrieben. Dennoch stehen die Zeitfiguren quer zu traditionellen Hörerfahrungen und -erwartungen. Die Zeitfiguren bestehen aus 6 Sätzen, die das Thema Zeit von verschiedenen Seiten musikalisch betrachten:

I. Strahlen
II. Verschlungener Gang
III. Zeit
IV. Leuchten
V. Akkordecho
VI. Warten

In der Nachfolge des französischen Orgelzyklus knüpft die Musik an existentiell-spirituelle Momente an. Die Klangfarben der Orgel und die Mittel Komposition lassen sechs große, farbige Paraphrasen entstehen, die sowohl energetisch aufgeladene als auch meditative Elemente enthalten.

Das Zeit-Problem nimmt im philosophisch-theologischen Diskurs bekanntermaßen einen prominenten Platz ein. Während „Ewigkeit“ zu den zentralen Attributen Gottes gehört, ist das menschliche Leben begrenzt, nach christlichem Zeitverständnis eingebunden in die eschatologische Spannung von „Schon“ und „Noch nicht“. Dass der ewige Gott auch in diesem Zwischenraum erfahrbar ist, bringt Ignatius von Loyolas Diktum „Gott suchen und finden in allen Dingen“ zum Ausdruck; es liegt den einzelnen Sätzen als leitende Idee zugrunde.

(Text entnommen aus dem Booklet, Prof. Dr. Paul Thissen)