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Dominik Susteck: Spiegelungen (enthält: Glanz, verzerrte Spiegel, Echo, Rückblick,
Kabinett). Dominik Susteck, Orgel

Kunst-Station Sankt Peter Köln

1987 gründete Friedhelm Mennekes die Kunst-Station Sankt Peter als Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik. Seitdem finden hier Ausstellungen der Gegenwartskunst und Konzerte Neuer Musik statt. Gerade der neugestaltete Sakralraum mit seinem Charakter der Leere bietet vielfältige Begegnungsmöglichkeiten für die in der Tendenz autonomen Kulturbereiche unserer Zeit: Religion, Bildende Kunst und Musik. Kunst und Musik werden hier nicht mehr als irgendeine Art Verlängerung von Religion verstanden, sondern als frei und eigenständig. Auf hohem Niveau und in beispielhafter Offenheit ermöglicht die Kunst-Station Sankt Peter einen interkulturellen Austausch zwischen Religion, Kunst und Musik.

Orgel

Die Orgelanlage von Sankt Peter Köln wird als Meilenstein zeitgenössischen Orgelbaus angesehen.

Maßgeblich bestimmte Peter Bares mit seinen Vorstellungen von Neuer Musik die Erweiterung der Orgel. Seiner Inspiration verdankt die Orgel ihre vielen ungewöhnlichen Register, die einzig Kinoorgeln der Stummfilmzeit als Vergleich zulassen. Den Grundstock der Orgel bilden circa 70 konventionelle Register, die der neobarocken Tradition einer großen Klangvielfalt in den Obertönen entsprechen, jedoch so intoniert worden sind, dass das Ergebnis einer großen Palette von Klangfarben entspricht. Die Orgelanlage besteht aus zwei Instrumenten: mechanisch anspielbare Chororgel im nördlichen Seitenschiff und Hauptorgel auf der Empore, beide von einem 4-manualigen Generalspieltisch aus spielbar. Insgesamt verfügt die Anlage zur Zeit über 104 Register und Spielhilfen. Am Hauptspieltisch sind 6 Werke anspielbar, darunter das umfangreiche Koppelwerk und die Trompeteria, die beide auf jedem Manual und Pedal unabhängig voneinander zu registrieren sind. Das Schlagwerk verfügt über Röhrenglocken, Xylophon, Xylodur, Becken, Harfe, Psalterium und Glockencymbel. Zudem gibt es Register, die sich nicht über die Manuale steuern lassen – Beckenstern, Silberklang, Jauler, Sirene und Hahnenschrei. Außerdem lassen sich die sieben Glocken im Turm (u.a. Petrusglocke 1393) vom Hauptspieltisch aus bedienen. Hinzu kommt eine Fülle von Spielhilfen: chromatische Organumkoppel, Pedal-Dur-Organum, Registermanual, Koppel vom Pedal ins Manual, Tastenfessel, stufenlos verstellbare Winddrossel.

Improvisationen

Dominik Sustecks Musik ist frei und eigenständig. Seine Improvisationen bezieht er konsequent auf die Gegenwart. Dabei denkt er als Komponist. Als solcher entwickelt er eine eigene, vollkommen neue Klanglichkeit. Seine Improvisationen sind Ausdruck unmittelbarer, körperlich-sinnlicher Energie. Susteck entdeckt im Entstehungsprozess seiner Improvisationen vielfältige Bezüge. Mit einer Art Fortpflanzungsenergie weisen sie über sich hinaus und finden authentische Kraft. An jedem Instrument muss Susteck diese Energie neu ausloten. Er spürt als Komponist den Möglichkeiten des Instruments nach, um jeder Konzertsituation authentisch zu entsprechen. Daher nutzen seine Programme die Möglichkeiten des jeweiligen Instruments auf verschiedene Weise. Zugleich vermeiden sie die historische Perspektive. Das Instrument wird ganz als organum, als Werkzeug begriffen. Susteck durchbricht bewusst die Tradition zugunsten der fortwährenden Suche nach authentischem Ausdruck. Das Spiel mit seinem jeweiligen Instrument und dem Raum wird existentiell. Seine Musikprogramme eröffnen Welten, die nie ein Mensch zuvor betreten hat.

Spiegelungen

Das Improvisationskonzert „Spiegelungen“ der Kunst-Station Sankt Peter gibt einen Einblick in Sustecks besondere Improvisationskunst, die er jeden ersten Sonntag im Monat in Sankt Peter in Köln zelebriert. Seine Improvisationen sind eine eindringliche Verschmelzung zwischen seinem kompositorischen Denken, technischem Können, dem ungewöhnlichen Instrument der Kunst-Station Sankt Peter und musikalischen Vorstellungen, die er aus den Titeln generiert. Diese lassen auf jeweils individuelle Weise ihren Inhalt in Struktur und Form der Musik einfließen. Darin spiegelt sich die metaphysische Dimension seiner Musik. Die Verwendung von Titeln bildet den Versuch, das Unbenennbare benennbar zu machen. Sie dienen dem Zweck, die ästhetischen Ideen seiner Improvisationen in Worte zu fassen und dem Konzert eine geistige Struktur zu verleihen. Nicht zu verwechseln mit einer bloß programmatischen Darstellung eröffnen die Titel einen Raum für kompositorische und interpretatorische Ausdruckskraft.