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Dominik Susteck: Zeitfiguren (2014) für Orgel | Spieldauer: 45 Minuten
Strahlen – Verschlungener Gang – Zeit – Leuchten – Akkordecho – Warten
48 Seiten, Booklet
Vorschau Noten als pdf (Auszug)

Aufführungstermine:
18.06.17 Christuskirche, Dormagen
01.12.16 St. Johannes, Tübingen
04.11.16 Johanneskirche, Troisdorf
30.09.16 St. Marien, Lübeck
24.09.16 Liebfrauenkirche, Hamm
19.09.16 St. Peter und Paul, Ratingen
18.09.16 Erlöserkirche, Stuttgart
17.09.16 Kirche am Rockenhof, Hamburg
17.09.16 St. Peter, Köln
16.09.16 St. Nikolai, Kiel
26.05.16 Kaiser Friedrich Gedächtniskirche, Berlin
29.04.16 St. Mariae Geburt, Aschaffenburg
28.02.16 Mülheim/Ruhr, St. Mariae-Geburt
01.11.15 Düsseldorf, St. Antonius
25.10.15 Warburg, St. Marien*
06.10.15 St. Peter, Köln
03.10.15 Frankfurt, Heilig-Geist
27.09.15 Bielefeld, Zionskirche
18.09.15 Rheda, St. Clemens*
11.09.15 Paderborn, Dom* (UA)

*Aufführungen des Erzbistums Paderborn

Ausführende: Tobias Aehlig, Simon Daubhäußer, Sebastian Freitag, Harald Gokus, Volker Karweg, Helga Lange (Erzbistum Paderborn) sowie Christof Pülsch (Bielefeld), Matthias Geuting (Essen), Michael Sattelberger (Stuttgart) und Alexander Annegarn (Hamburg)

 


Aus: Zeitfiguren – V. Akkordecho – Tomoko Kitamura, Orgel,
Bremer Dom

 

Die Komposition „Zeitfiguren“ entstand auf Anregung von Volker Karweg als Kompositionsauftrag des Erzbistums Paderborn, kuratiert von Prof. Paul Thissen. Die Komposition ist für die Sandtner-Orgel der katholischen Kirche St. Mariä-Heimsuchung in Warburg konzipiert, soll aber an verschiedenen Orgeln im Erzbistum Paderborn uraufgeführt werden. Sie lässt sich auf zweimanualigen Instrumenten mit Schwellwerk spielen.

Werkkommentar des Komponisten

I. Strahlen

Welche Strahlen sind gemeint? Sind es sich öffnende Räume, die ins Unendliche führen? Sind es leuchtende und tupfende Melodien, die ihrem Schatten folgen? Ist es die heiße Berührung einer Sonne, die selbst Granit zum Schmelzen bringt? Oder ist es der Weg über unabsehbare Tiefe, die wie ein Abgrund unter der Musik lauert?

II. Verschlungener Gang

Melodien wandeln sich, bleiben stehen, klingen aus der Ferne. Sie verschlingen sich umeinander, verirren sich in anfangslosen Verstrickungen, beantworten und befragen sich. Sie nehmen aufeinander Bezug, sie treffen sich oder versuchen, sich aussichtslos zu treffen. Ihre Klänge rufen einander zu, wie tausendfache Spiegel gebrochen, weite Rufer, die unter sich den warmen Urgrund spüren.

III. Zeit

Die Zeit klopft, tickt wie eine Uhr, wird gemessen. Sie zerfließt, zerrinnt, und doch steht sie. Sie zergeht in Energie und ist nur mit Ordnung messbar. Durch Meditation wird die Zeit gewaltig stark, berstend, wie der eigene Herzschlag. Im Schnellen jagt sie sich, wird flüchtig und vergeht, als gäbe es sie nie.

IV. Leuchten

Was an der Musik sieht aus als ob es steht, obwohl es zerfließt? Es sind Klänge, die den Raum ausleuchten. Sie werden kommentiert, immer wieder, in einem ewigen, sich variierenden Ostinato. Immer sagen sie etwas, eindringlicher, hoch und tief, lang und breit. Doch dort erscheint etwas anderes, etwas Neues. Es leuchtet, färbt und brennt, als wolle es auf der Stelle stehen, wohl wissend, das es dort nicht bleiben kann.

V. Akkordecho

Der Akkord baut sich auf, strahlt, schält sich und reibt sich. Er blättert ab und lässt feine Linien zurück, wie Fußabdrücke, die sich bald verflüchtigen. Er türmt sich auf, zerspringt, um sich dann zu besinnen und in das Verborgene zurückzukehren.

VI. Warten

Das Warten ist geduldig. Die unentrinnbare Zeit holt uns ein. Es ist ein freundliches und zugleich ernstes Warten. Zwei Klänge wechseln sich ab und tauchen alle anderen Klänge in ein warmes Licht. Das Warten ist ein grenzenloses Akzeptieren, das immer weiter führt.

Auszug aus dem Vorwort von Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn:

»Dominik Susteck hat sein Werk mit dem Titel „Zeitfiguren“ versehen. Das Zeit-Problem nimmt im philosophisch-theologischen Diskurs bekanntermaßen einen prominenten Platz ein. Während „Ewigkeit“ zu den zentralen Attributen Gottes gehört, ist das menschliche Leben begrenzt, nach christlichem Zeitverständnis eingebunden in die eschatologische Spannung von „Schon“ und „Noch nicht“. Dass der ewige Gott auch in diesem Zwischenraum erfahrbar ist, bringt Ignatius von Loyolas Diktum „Gott suchen und finden in allen Dingen“ zum Ausdruck; es liegt den einzelnen Sätzen als leitende Idee zugrunde. Satz I („Strahlen“) und IV („Leuchten“) können auf den Einbruch des Göttlichen verweisen, Satz II („Verschlungener Gang“) lässt die Erlebniszeit des Menschen assoziieren, Satz V („Akkordecho“) darf als Widerklang des himmlischen Jerusalem verstanden werden, und die Sätze III („Zeit“) und VI („Warten“) schließlich reflektieren die Unfassbarkeit der Zeit und die eschatologische Hoffnung des Individuums.«